Historie des Hamburger Schleppjagd-Vereins e. V.
(aktualisiert per 12/2011)
Der Hamburger Schleppjagd-Verein unterhält die älteste aktive deutsche Meute mit dem Zuchtstandard des englischen Foxhounds.
Zurückgehend auf Anfänge im Jahre 1866 und Jagden ohne Hunde in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde 1886 von Offizieren des Husarenregiments 15 der Hamburg-Wandsbeker Schleppjagd-Verein gegründet. Nachdem dieser über den ersten Weltkrieg und die Nachkriegsjahre hinaus nicht gehalten werden konnte, wurde 1923 der Hamburger Schleppjagd-Verein gegründet. Zu den Gründern gehörten zahlreiche frühere Mitglieder und Aktive des Hamburg-Wandsbeker Schleppjagd-Vereins, so dass Kontinuität gewahrt wurde.
Hauptmann a. D. Georg Skowronski (17.10.1890–14.09.1971) war von der Gründung bis einschließlich der Saison 1933, als er nach Berlin übersiedelte, der erste Master des neuen Vereins und zugleich auch die treibende Kraft für den Aufbau einer eigenen Meute, das tägliche Hundebewegen und bei der Vorbereitung und Durchführung der Jagden.
Von 1933 bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges war der Reeder Eberhard Thost Master (1896–1990). Ab 1935 vereinigte er die Position des Masters mit der des ersten Vorsitzenden. Es gelang ihm, drohenden Eingriffen durch die damaligen Machthaber zu entgehen, in dem er Meute und Verein unter den Schutz der Wehrmacht stellte, deren Offiziere in nicht unbeträchtlicher Zahl als Teilnehmer im Jagdfeld aktiv waren. Dank dieser Hilfe „überlebte“ der Jagdstall in Wiemerskamp und der Verein als solcher sowie ein kleiner Teil der Meute mit dem Huntsman Walter Schwebke auch den zweiten Weltkrieg. Wegen der fehlenden Futterbasis wurden die letzten Hunde im Mai 1945 dann den Engländern übergeben.
Nach dem Kriege fand 1946 die erste Mitgliederversammlung des Vereins statt, und bereits im Jahre 1947 wurde in der Nähe des Jagdstalls die erste Hubertusjagd geritten. Erster Vorsitzender und Präsident wurde Dr. Alexander Schön (07.07.1894–01.04.1976), der zielstrebig den Wiederaufbau der Meute, unterstützt von dem Huntsman (prof.) Walter Schwebke (1934–1965), verfolgte und den Verein bis 1965 leitete. 1948 wurde Robert Sauber zum Master bestellt. Ihm folgte von 1952–1955 Hans Domke.
Die ersten 2 ½ Koppeln Foxhounds wurden Anfang 1948 aus britischen Beständen übernommen und bereits wenig später durch einige, von den damals in Wolfenbüttel stehenden Life-Guards, deren Meute im wesentlichen Beaufort-Linien führte, ergänzt. In den 60er und 70er Jahren wurden Jagdmeute und Zucht mehrfach durch Importe bekannter englischer und irischer Meuten verstärkt. Zahlreiche Hounds konnten auch an befreundete Meuten oder junge im Aufbau befindliche Meuten abgegeben werden. Die Zahl der Meets – innerhalb und außerhalb der Saison – konnte auf mehr als 50 pro Jahr ausgeweitet werden. Während der Hauptsaison wurde ständig Sonnabend und Sonntag geritten. In den Monaten August und September auch mittwochs um 6:30 Uhr.
1965 wurde SH Manfred Prinz zu Bentheim und Steinfurt (31.07.1918–18.12.1985) Präsident und blieb es bis zu seinem Tode.
Die Ära Hans Giele begann 1956 mit seiner Mastership und den Huntsmen Günter Eggers (1965–1970), Kunihiro Ohta (1970), Wilfried Ebel (1971–1972), der dann bis 2003 beim RWS tätig war und Karl-Heinz Hoffmann (1973–1987).
Auf die Initiative von Hans Giele als Master des Hamburger Schleppjagd-Vereins gehen einige wichtige Neuerungen zurück, durch die die Jagdreiterei in der Nachkriegszeit wesentlich beeinflusst wurde. Um beim Wiederaufbau der Meuten kurzfristig wieder einen hohen Zuchtstandard zu erreichen, wurden Meute-Vergleichsschauen veranstaltet, zu denen schon früh auch Richter und Experten von den britischen Inseln herangezogen wurden. Auch über die Zusammensetzung der Jagdfelder und die Gewinnung aktiver Jagdreiter machte man sich in Hamburg frühzeitig Gedanken. Nachdem die Angehörigen der Truppen ausfielen, die bis in den zweiten Weltkrieg hinein zahlenmäßig einen wichtigen Beitrag gestellt hatten und viele jüngere Reiter den Weg in den Leistungssport suchten, galt es eine breitere Basis zu finden. Die Einteilung in zwei oder drei Jagdfelder wurde eingeführt, um unerfahrene Reiter oder Reiter mit jungen Pferden an die Jagdreiterei heranzuführen. Das erste Feld nimmt dabei die normalen Hochsprünge, das zweite Feld Hochsprünge mit herabgesetzten Überstangen und das dritte Feld reitet über Boden wie gewachsen, also lediglich Naturhindernisse, wie Knicks, Gräben usw. Bei Bedarf wird seitdem auch ein Ponyfeld mitgeführt. Eingeführt wurden zudem Jagden außerhalb der eigentlichen Saison (von Anfang August bis Mitte November), die ganzjährig ein- bis zweimal monatlich – auch unter extrem winterlicher Witterung – stattfinden, um Mitglieder und Freunde mit ihren Huntern hinter der Meute ihrer Passion nachgehen zu lassen und das Brauchtum und die praktizierten Jagdregeln des HSJV zu bewahren.
Die Veränderungen in der Landwirtschaft – zum Teil durch die Abschaffung der Rinderbestände und des Weidebetriebes zum Teil durch fortschreitende Technisierung und das sofortige Umbrechen und Neubestellen der Felder – stellen hohe Anforderungen an die Vorbereitung und Terminplanung und erfordern eine entsprechende Beweglichkeit. Durch intensive Pflege der Kontakte zu Landeignern und Forstverwaltungen sowie zu einigen ländlichen Reitervereinen konnten neue Jagdgebiete erschlossen und alte, fast schon verloren gegangene wieder gewonnen werden.
Nach 29 Jahren erklärte Master Hans Giele 1983 seinen Rücktritt und wurde zum Ehrenmaster ernannt. Sein Nachfolger wurde Jürgen Schumann.
1986 übernahm der Ehrenmaster Hans Giele, der als Master schon seit 1965 auch Vorsitzender der „Fachgruppe Jagdreiter im DRFV“ war und heute deren Ehrenvorsitzender ist, bis 1998 das Amt des Präsidenten (1. Vorsitzenden) des HSJV.
Master Jürgen Schumann führte von 1983 bis 1993 die Meute mit seinem Huntsman Karl-Heinz Hoffmann (bis 1987), Peter Martens (1988-1993) und übergab die Mastership 1994 an Ernst-Günther Voigtländer, der 1998 auch noch in Doppelfunktion das Amt des 1. Vorsitzenden ausüben „musste“.
Die Kennelanlage Wiemerskamp in Hamburg musste 1995 aufgegeben werden. Auf Gut Schnede in Vierhöfen/Nordheide entstand der neue Kennel mit einem 6 ha Auslauf- und Trainingsgelände. Der Master und Mitglieder der Equipage wohnen heute in unmittelbarer Nähe auf dem Gut. Schwerpunkte der Arbeit im Kennel sind die tägliche Versorgung, Pflege, Auslauf und Training der ca. 60 Foxhounds mit dem Ziel, 15 bis 20 jagdfähige Koppeln ständig einsatzfähig zu halten. Dazu ist Zucht, Aufzucht, Ausbildung und Training von Junghunden erforderlich.
Kurt Kirchner übernahm 1999 den Vorsitz und somit die Präsidentschaft bis 2005. Von 2002 bis 2011 führt Master Dieter Backasch die Meute. Schon seit 1994 ist seine Ehefrau Dorothée Kennel-Huntsman. Sie wird in 2012 von Heiko Lindner abgelöst.
In der Mitgliederversammlung 2011 wurde der aktuelle Gesamtvorstand für die jetzige Wahlperiode (3 Jahre) gewählt.
Er setzt sich wie folgt zusammen:
- Ehrenpräsident und Ehrenmaster Hans Giele
- Präsident und 1.Vorsitzender Gösta R. J. Schaper
- Stellv. Vorsitzender und Schriftführer Ulrich C. Deus
- Schatzmeister Thorsten David
- Beiratsmitglieder: Uwe Axt, Master Dorian Tackenberg, Jochen Fischer
- Aufnahmekommission: Rudolf K. Brinckmann, Jochen Fischer, Rolf Wegener
Heute veranstaltet der HSJV auf Einladung seiner Jagdpaten – überwiegend in Norddeutschland – ca. 40 Meets mit unterschiedlichen sportlichen Anforderungen pro Jahr. Aktuelle Jagdgebiete sind z. B.: Böttcher Hof Ehlbeck, Forstgut Rehrhof, Gut Basthorst, Gut Kleefeld, Gut Rohlfshagen, Gut Sierhagen, Gut Steinhorst, Hof Sudermühlen, Schlosshotel Burg Schlitz, Schloss Wotersen, Untergut Grabow, Jesteburg und Umgebung, Bötersen, Gut Hasenthal, Wetzen, Kellinghusen, Gut Jersbek
Zur Meutearbeit wird gebeten, um Junghunde einzujagen. Das Meet ist mehr ein jagdlicher Ausritt und sehr zu empfehlen, um junge Pferde an den Jagdablauf und das Galoppieren im Feld zu gewöhnen. Für Neueinsteiger eine gute Gelegenheit, erste Erfahrungen zu sammeln. Soweit einladende, der Landschaft angepasste Hindernisse vorhanden sind, wird nach Absprache auch gesprungen.
Schleppjagden stellen leichte, mittelschwere oder sportliche Anforderungen an „Ross und Reiter“. Entsprechende Hinweise enthalten die Einladungen zu den Meets, die als Rundschreiben an die Mitglieder und Freunde des HSJV verschickt werden.1 Dem 1. Feld, das alle Hindernisse springt, folgt das 2. Feld, das ohne Hindernisse über Boden wie gewachsen reitet und von einem erfahrenen Jagdreiter geführt wird.
Zu den weiteren sportlichen Aktivitäten des Hamburger Schleppjagd-Vereins gehören im Frühjahr die Durchführung von Lehrgängen und Geländeritte mit Einzel- und Gruppen-Geländeprüfungen sowie in der Saison auch die Durchführung einer Damenjagd. Im Anschluss an die Damenjagd wird seit 1953 ein Flachrennen um den Penthesilea-Cup ausgetragen. In einer gesonderten Veranstaltung werden seit 1934 Point to Point Rennen („Open Race“ und „Fraser-Cup“) über eine 3.000–5.000 m Jagdstrecke mit ca. 20 Hindernissen – zum Teil mit sehr sportlichen Anforderungen – sowie bei Bedarf auch Pony-Rennen in der Flachklasse durchgeführt.
Seit 2003 finden jährlich Triple Meets statt. Die Master der Meuten des HSJV, der Niedersachsen Meute und des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdvereins führen im Frühjahr ihre Meuten im Rahmen eines Drei-Meute-Treffens zusammen, um dann gemeinsam mit ca. 50 Koppeln zu jagen. Teilnahmeberechtigt sind nur Vereinsmitglieder und Gäste auf besondere Einladung.
Der Verein gibt jährlich sein Almanach heraus, das „Grüne Heft“, in dem jeweils das Protokoll der Mitgliederversammlung, ein aktueller Bericht über den Stand der Meute, die sportlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten und die Mitgliederliste, die per 31.12.2011 258 Personen aller Altersgruppen umfasst, aufgeführt sind.
Seit 2007 werden die Rundschreiben nur noch per E-Mail oder Fax versandt und im Internet auf der Website www.hsjv.com bereit gestellt. Auf Wunsch erfolgt der Versand auch weiterhin per Brief. Dieser Service ist für die Adressaten kostenpflichtig. ↩
